Drei Tools, ein grundsätzliches Problem
Team-Messaging ist die Kommunikationsinfrastruktur eines Unternehmens. Über Slack, Teams oder vergleichbare Plattformen fließen nicht nur Projektabsprachen, sondern auch interne Strategiediskussionen, Kundendaten, Zugangsdaten, HR-Themen und vertrauliche Geschäftsinformationen. Die Wahl des Messaging-Tools ist damit keine rein funktionale Entscheidung – sie ist eine Entscheidung über die Datenhoheit des gesamten Unternehmens.
Slack und Microsoft Teams dominieren den Markt. Beide bieten ein ausgereiftes Produkt mit starkem Integrations-Ökosystem. Doch beide teilen ein strukturelles Problem: Sie sind Cloud-only-Dienste US-amerikanischer Unternehmen, die dem CLOUD Act unterliegen. Für deutsche Unternehmen, die der DSGVO gerecht werden wollen – nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich – ist das eine Herausforderung, die sich nicht durch ein DPA oder eine EU-Datenresidenz-Option lösen lässt.
Slack: Komfort mit Jurisdiktionsproblem
Slack, seit 2021 Teil von Salesforce, ist für viele Tech-Teams das Kommunikationstool der Wahl. Die UX ist ausgezeichnet, das API-Ökosystem breit, die Integration mit Entwickler-Tools (GitHub, Jira, CI/CD-Pipelines) nahtlos. Funktional gibt es wenig zu bemängeln.
Aus Datenschutzperspektive sieht es anders aus. Slack wird auf AWS gehostet, Standardregion ist die USA. Zwar bietet Slack Enterprise Grid eine EU-Datenresidenz-Option, bei der bestimmte ruhende Daten in der EU gespeichert werden – aber eben nur bestimmte. Weitere Datenkategorien, die Slack in seiner Privacy Policy als „Other Information“ klassifiziert, werden weiterhin in den USA verarbeitet.
Hinzu kommt: Slack ist als reine SaaS-Lösung konzipiert. Es gibt keine Self-Hosted-Option, keine On-Premises-Variante, keinen Weg, die Datenverarbeitung vollständig unter eigene Kontrolle zu bringen. Der Vertrag wird mit Salesforce, Inc. geschlossen – einem US-Unternehmen mit allen damit verbundenen rechtlichen Implikationen.
Die Datenübertragung in die USA stützt sich auf Standard Contractual Clauses (SCCs) und die Teilnahme am EU-U.S. Data Privacy Framework über Salesforce. Beide Mechanismen bieten eine formale Rechtsgrundlage, ändern aber nichts am fundamentalen Problem: Ein US-Unternehmen kann nicht garantieren, dass es US-behördliche Datenanfragen ablehnt.
Microsoft Teams: Marktmacht ist kein Datenschutzargument
Microsoft Teams hat mit über 320 Millionen täglichen Nutzern eine beispiellose Marktdurchdringung erreicht. Die Integration in das Microsoft-365-Ökosystem macht es zur Default-Wahl für Unternehmen, die bereits auf Outlook, SharePoint und OneDrive setzen. Funktional ist Teams eine vollwertige Collaboration-Plattform mit Chat, Video, Dateiverwaltung und App-Integrationen.
Doch die Datenschutzbilanz ist durchwachsen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) hat explizit darauf hingewiesen, dass Microsofts Datenverarbeitungspraktiken es für öffentliche Stellen nahezu unmöglich machen, Teams DSGVO-konform einzusetzen. Der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDSB) hat zudem bemängelt, dass Microsofts Zweckbeschreibungen in den Vertragswerken zu viel Interpretationsspielraum lassen und die Auflistung der Subprozessoren unvollständig sei.
Microsoft hat mit der EU Data Boundary und der Microsoft Cloud for Sovereignty reagiert – Initiativen, die versprechen, EU-Kundendaten innerhalb Europas zu verarbeiten. Doch Professional Services Data, also Daten, die im Rahmen von Beratungsleistungen anfallen, sind davon explizit ausgenommen und werden in US-Rechenzentren gespeichert.
Juni 2025, Französischer Senat:
Microsofts Rechtsabteilerin in Frankreich hat unter Eid eingeräumt, dass Microsoft europäische Nutzerdaten nicht vor dem Zugriff durch US-Behörden schützen kann – selbst wenn diese in EU-Rechenzentren gespeichert sind. Eine bemerkenswerte Klarstellung, die die Grenzen aller EU-Data-Boundary-Versprechen offenlegt.
CLOUD Act: Warum der Serverstandort irrelevant ist
Das zentrale Problem, das Slack und Teams teilen, trägt einen Namen: der US CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) von 2018. Dieses Gesetz ermächtigt US-Strafverfolgungsbehörden, von US-Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen – unabhängig davon, in welchem Land diese physisch gespeichert sind.
Die Implikation für europäische Unternehmen ist gravierend: Ein Serverstandort in Frankfurt, Amsterdam oder Dublin ändert nichts an der Jurisdiktionsfrage. Solange der Betreiber ein US-Unternehmen ist, kann eine US-Behörde per Gerichtsbeschluss Zugang zu den Daten erzwingen. Die Jurisdiktion folgt dem Unternehmen, nicht dem Server.
Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmen unter dem CLOUD Act häufig einer Verschwiegenheitspflicht unterliegen – sie dürfen betroffene Kunden nicht darüber informieren, dass eine Datenherausgabe stattgefunden hat. Ob und wie häufig US-Behörden von diesem Recht Gebrauch machen, ist daher naturgemäß nicht transparent. Es gibt keine bekannten öffentlichen Fälle – was aber nicht bedeutet, dass es keine gibt.
Rechtliche Einordnung:
Der EDSB betrachtet den CLOUD Act als potenziell im Widerspruch zur DSGVO stehend. Art. 48 DSGVO untersagt grundsätzlich die Herausgabe personenbezogener Daten auf Grundlage eines Urteils oder einer Entscheidung einer Behörde eines Drittstaats, sofern kein Rechtshilfeabkommen besteht. Ein solches existiert zwischen der EU und den USA im CLOUD-Act-Kontext nicht.
Rocket.Chat: Open Source, Self-Hosted, volle Kontrolle
Rocket.Chat geht einen fundamental anderen Weg. Die Plattform ist Open Source, kann vollständig selbst gehostet werden und gibt Unternehmen damit die Kontrolle zurück, die Slack und Teams architekturbedingt nicht bieten können.
Im Self-Hosted-Betrieb läuft die gesamte Messaging-Infrastruktur auf eigener oder dedizierter Infrastruktur – ob On-Premises, in einem deutschen Rechenzentrum oder in einer Air-Gapped-Umgebung. Es gibt keinen Drittlandtransfer, keine US-Subprozessoren und keinen CLOUD-Act-Zugriffspfad. Die Daten verlassen die eigene Infrastruktur nicht.
Funktional ist Rocket.Chat längst keine Kompromisslösung mehr. Die Plattform bietet Team-Channels, Direct Messaging, Threads, Dateifreigabe, Audio- und Videocalls, Screen Sharing und ein wachsendes App-Ökosystem. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist nativ implementiert, ebenso wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, granulare Rollen- und Berechtigungsmodelle, konfigurierbare Datenretention-Policies und umfassende Audit-Logs.
Für regulierte Branchen ist das entscheidend: Rocket.Chat unterstützt Compliance mit DSGVO, HIPAA, FINRA und weiteren regulatorischen Frameworks. Die Audit-Log-Funktion erfasst alle administrativen Aktionen und Nachrichtenaktivitäten und ermöglicht Exporte für regulatorische Prüfungen. In Kombination mit Self-Hosting ergibt sich eine Compliance-Architektur, die gegenüber Aufsichtsbehörden belastbar nachweisbar ist.
Rocket.Chat wird bereits von europäischen Regierungsbehörden, Ministerien und dem öffentlichen Sektor eingesetzt – gerade weil es die Datensouveränitätsanforderungen erfüllt, an denen Slack und Teams strukturell scheitern. Mit Version 8.0 (Januar 2026) hat die Plattform zudem deutliche Fortschritte in Sachen Performance und Sicherheit gemacht.
Feature-Vergleich: Slack vs. Teams vs. Rocket.Chat
| Kriterium | Slack | Microsoft Teams | Rocket.Chat |
|---|---|---|---|
| Self-Hosting möglich | Nein | Nein | Ja |
| Open Source | Nein | Nein | Ja |
| Volle Datenhoheit | Nein | Nein | Ja (Self-Hosted) |
| CLOUD-Act-frei | Nein (Salesforce) | Nein (Microsoft) | Ja (Self-Hosted) |
| Ende-zu-Ende-Verschlüsselung | Nur Enterprise | Teilweise | Ja, nativ |
| EU-Datenresidenz | Enterprise Grid | EU Data Boundary | Frei wählbar |
| AV-Vertrag mit DE-Unternehmen | Nein (US) | Nein (US/IE) | Möglich (Managed) |
| Audit Logs | Enterprise Grid | Ja | Ja |
| Datenretention-Policies | Ja | Ja | Ja, granular |
| Video- & Audiocalls | Ja (Huddles) | Ja | Ja |
| Integrations-Ökosystem | Sehr breit | Microsoft 365 | Wachsend |
| Kosten (kleine Teams) | Ab 6,67 $/User/Mo. | Ab 5 $/User/Mo. | Free Tier verfügbar |
Self-Hosted vs. Managed: Der Betriebsaufwand
Rocket.Chat lässt sich per Docker Compose oder Kubernetes deployen – die initiale Installation ist gut dokumentiert. Der laufende Betrieb ist allerdings anspruchsvoller als bei einer SaaS-Lösung: MongoDB als Datenbank-Backend erfordert regelmäßige Wartung, Backups müssen konfiguriert und getestet werden, Updates sollten zeitnah eingespielt werden, und bei wachsender Nutzerzahl muss die Infrastruktur skaliert werden.
Für Unternehmen mit eigenem Ops-Team ist das machbar. Für alle anderen stellt sich die Frage, ob der Betriebsaufwand den Datenschutzgewinn rechtfertigt – zumal es eine dritte Option gibt.
Managed Rocket.Chat Hosting löst genau dieses Dilemma. Die Instanz wird auf dedizierter Infrastruktur in Deutschland betrieben, vollständig verwaltet von einem spezialisierten Hosting-Anbieter. Installation, Konfiguration, Updates, Monitoring und Backups werden übernommen. Der AV-Vertrag nach Art. 28 DSGVO wird direkt mit einem deutschen Unternehmen geschlossen. Das Ergebnis: volle Datensouveränität, null Ops-Aufwand.
Bei NETZFABRIK betreiben wir Managed Rocket.Chat auf eigener Infrastruktur in Frankfurt am Main. Unsere Kunden erhalten eine dedizierte Instanz, die innerhalb weniger Stunden einsatzbereit ist – inklusive SSL, Backup-Strategie und proaktivem Monitoring. Da keine geteilte Infrastruktur zum Einsatz kommt, behalten Teams die volle Kontrolle über Konfiguration, Datenretention und Nutzerverwaltung.
Fazit: Kommunikation braucht Souveränität
Slack und Microsoft Teams sind funktional starke Produkte. Doch für Unternehmen, die mit sensiblen Daten arbeiten – ob im regulierten Umfeld, im öffentlichen Sektor oder schlicht aus Überzeugung – reicht funktionale Stärke allein nicht aus. Die Frage ist nicht nur, was ein Messaging-Tool kann, sondern wem es gehört, wo die Daten liegen und wer darauf zugreifen kann.
Rocket.Chat ist die einzige der drei Plattformen, die echte Datensouveränität ermöglicht: durch Self-Hosting, Open Source und die vollständige Kontrolle über die eigene Kommunikationsinfrastruktur. Wer diese Vorteile nutzen möchte, ohne den operativen Aufwand eines Eigenbetriebs zu tragen, findet in Managed Rocket.Chat Hosting die pragmatische Lösung.
Rocket.Chat DSGVO-konform betreiben – ohne Ops-Aufwand
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