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Sentry Hosting in Deutschland: Warum DSGVO-Konformität kein Nice-to-have ist

Sentry ist das Standard-Tool für Error Tracking und Performance Monitoring. Doch wer die SaaS-Variante unreflektiert einsetzt, riskiert DSGVO-Verstöße mit empfindlichen Bußgeldern. Eine technische Analyse der Risiken – und warum Managed Sentry Hosting in Deutschland die sauberste Lösung ist.

Sentry im Stack – Standard, aber nicht ohne Risiko

Sentry hat sich in den letzten Jahren als De-facto-Standard für Application Monitoring und Error Tracking etabliert. Ob React-Frontend, Django-Backend oder mobile App: Die Integration ist in wenigen Minuten erledigt, das SDK-Ökosystem deckt praktisch jede Sprache und jedes Framework ab. Für Engineering-Teams ist Sentry längst kein optionales Tooling mehr, sondern fester Bestandteil des Observability-Stacks.

Das Problem liegt nicht im Tool selbst, sondern in der Art, wie es betrieben wird. Denn Sentry erfasst per Design hochsensible Daten: Stack Traces mit Variableninhalten, Breadcrumbs mit User-Interaktionen, Session Replays mit potenziell personenbezogenen Informationen, Request-Header, IP-Adressen und Geräte-Fingerprints. All das fließt bei der Standard-SaaS-Variante auf Infrastruktur, die von Functional Software, Inc. – einem US-Unternehmen – betrieben wird.

Für Unternehmen, die der DSGVO unterliegen, ist das kein triviales Detail. Es ist ein Compliance-Risiko, das aktiv gemanagt werden muss.

Sentrys EU-Region: Fortschritt mit Lücken

Sentry hat reagiert und bietet seit 2024 eine EU-Datenresidenz an. Bei der Erstellung einer neuen Organisation kann zwischen dem US- und dem EU-Standort gewählt werden. Die EU-Daten liegen auf Google Cloud Platform in Frankfurt – grundsätzlich ein guter Schritt. Die Option steht auf allen Plänen zur Verfügung, einschließlich des kostenlosen Developer-Plans, und es gibt keinen Preisaufschlag.

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich allerdings strukturelle Lücken, die für eine vollständige DSGVO-Konformität relevant sind:

Daten, die trotz EU-Region in den USA verarbeitet werden:

User Accounts, Notification-Einstellungen und 2FA-Authenticators werden zentral – also in den USA – gespeichert, da Benutzerkonten organisationsübergreifend geteilt werden. Auch Integrations-Metadaten (z. B. für Slack, Jira oder GitHub) können in den USA liegen, weil viele Integrationen nur einen einzigen Webhook-Endpunkt unterstützen. Hinzu kommt: Uptime-Monitoring-Checks erfolgen aus mehreren Geolocations, was bedeutet, dass diese Daten ebenfalls außerhalb der gewählten Region gespeichert werden können.

Das bedeutet in der Praxis: Auch mit EU-Region fließen personenbezogene Daten in die USA. Die E-Mail-Adresse, der Name und die Authentifizierungsdaten jedes Nutzers, der Zugang zur Sentry-Organisation hat, werden auf US-Infrastruktur verarbeitet. Aus DSGVO-Perspektive handelt es sich dabei um einen Drittlandtransfer, der einer eigenen Rechtsgrundlage bedarf.

Ein weiterer Punkt: Bestehende Sentry-Organisationen können nicht nachträglich in die EU-Region migriert werden. Es muss eine neue Organisation angelegt werden – mit separater Subscription, separaten Nutzern und separaten Projekten. Für Teams, die Sentry bereits produktiv nutzen, ist das ein erheblicher Migrationsaufwand.

CLOUD Act und das DPF-Restrisiko

Selbst wenn alle Daten physisch in Frankfurt liegen: Sentry ist ein US-Unternehmen und damit dem US CLOUD Act unterworfen. Dieses Gesetz ermächtigt US-Behörden, von US-Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen – unabhängig davon, wo diese gespeichert sind. Das betrifft explizit auch Daten europäischer Kunden auf europäischen Servern.

Der Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) hat hierzu klar Stellung bezogen: Eine Herausgabe personenbezogener Daten allein auf Grundlage des CLOUD Act ist in der Regel unzulässig und kann einen Verstoß gegen Art. 48 DSGVO darstellen. Bei Zuwiderhandlung droht der erhöhte Bußgeldrahmen nach Art. 83 Abs. 5 DSGVO – bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes.

Die rechtliche Grundlage für transatlantische Datentransfers ist derzeit das EU-U.S. Data Privacy Framework (DPF), das im September 2025 vom EuGH bestätigt wurde. Sentry hat sich unter dem DPF selbst zertifiziert. Doch die Stabilität dieses Frameworks ist keineswegs gesichert. NOYB hat unmittelbar nach dem Urteil erneut Klage eingereicht, und politische Beobachter weisen darauf hin, dass die aktuelle US-Regierung die unter der Biden-Administration eingeführten Datenschutz-Exekutivanordnungen als bürokratische Belastung betrachtet – ein Argument, das im Kontext des breiteren Deregulierungsansatzes durchaus Gewicht hat.

Strategische Implikation:

Unternehmen, die sich ausschließlich auf das DPF als Rechtsgrundlage für Datentransfers zu Sentry stützen, bauen auf einer Grundlage, deren Halbwertszeit politisch bedingt unsicher ist. Ein Notfallplan für den Fall eines erneuten Angemessenheitsbeschluss-Wegfalls ist keine Überreaktion, sondern professionelles Risikomanagement.

Subprozessoren und Auftragsverarbeitung

Ein häufig unterschätzter Aspekt: Sentry nutzt Subprozessoren, die ihrerseits personenbezogene Daten verarbeiten. Laut Sentrys Subprozessoren-Liste (Version 2.2.0, Mai 2025) gehören dazu unter anderem Google Cloud Platform und weitere US-basierte Dienste. Für jede dieser Unterbeauftragungen gelten die gleichen DSGVO-Anforderungen an Rechtsgrundlage, technische und organisatorische Maßnahmen und vertragliche Absicherung.

Besonders relevant für Enterprise-Kunden: Sentry verfügt bis dato über keine eigene juristische Person in der EU. Der Vertrag wird mit Functional Software, Inc. in San Francisco geschlossen. Für viele Unternehmen – insbesondere im regulierten Umfeld (Finanzsektor, Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor) – ist das ein K.-o.-Kriterium. In der Community-Diskussion auf GitHub bezeichnen Nutzer diesen Umstand als echten Dealbreaker, der sie dazu zwingt, Alternativen zum SaaS-Produkt zu evaluieren.

Sentry bietet zwar ein DPA (Data Processing Addendum) im Self-Service an, doch die Frage bleibt: Reicht ein DPA mit einem US-Unternehmen ohne EU-Niederlassung aus, um gegenüber einer deutschen Aufsichtsbehörde Compliance nachzuweisen? Die Antwort hängt vom konkreten Kontext ab – aber das Risiko liegt beim Verantwortlichen, nicht bei Sentry.

Self-Hosted Sentry: Volle Kontrolle, voller Aufwand

Die naheliegende Antwort auf all diese Probleme: Sentry selbst hosten. Sentry ist Open Source (BSL-lizenziert), und die Self-Hosted-Variante erlaubt es, die gesamte Infrastruktur auf eigenen Servern in Deutschland zu betreiben. Kein Drittlandtransfer, kein CLOUD Act, keine US-Subprozessoren – die DSGVO-Problematik ist damit strukturell gelöst.

Die Kehrseite: Self-Hosted Sentry ist kein docker compose up und fertig. Der produktive Betrieb erfordert die Verwaltung von über 20 Services (Kafka, ClickHouse, PostgreSQL, Redis, Snuba, Relay, Symbolicator und weitere), regelmäßige Updates auf neue Releases, Monitoring der Sentry-Infrastruktur selbst, Backup-Strategien, Skalierung bei wachsendem Event-Volumen und Sicherheitshärtung des gesamten Stacks.

Für ein durchschnittliches Engineering-Team bedeutet das einen erheblichen Ops-Overhead, der vom eigentlichen Produkt ablenkt. Selbst erfahrene DevOps-Engineers berichten, dass das Upgrade zwischen Major-Versionen ein fehleranfälliger Prozess ist, der gründliches Testen und oft manuelle Eingriffe erfordert. Und das bei einem Tool, das eigentlich dafür da sein soll, Fehler zu finden – nicht neue zu produzieren.

Managed Sentry Hosting: Das Beste aus beiden Welten

Genau hier setzt Managed Sentry Hosting an. Die Idee: Sentry wird Self-Hosted betrieben, aber auf dedizierter Infrastruktur in Deutschland – vollständig verwaltet von einem spezialisierten Hosting-Anbieter. Das Ergebnis ist eine Lösung, die sowohl die DSGVO-Anforderungen an Datenresidenz und Auftragsverarbeitung erfüllt als auch den operativen Aufwand vom Engineering-Team fernhält.

Konkret bedeutet das: Die Sentry-Instanz läuft auf Servern in einem deutschen Rechenzentrum, der Hosting-Anbieter übernimmt Installation, Konfiguration, Updates, Backups und Monitoring, ein AV-Vertrag (Auftragsverarbeitungsvertrag) nach Art. 28 DSGVO wird direkt mit einem deutschen Unternehmen geschlossen – und das Engineering-Team erhält einen fertigen Login und kann sich auf das konzentrieren, wofür Sentry da ist: Fehler finden und beheben.

Bei NETZFABRIK betreiben wir Managed Sentry Hosting auf eigener Infrastruktur in Frankfurt am Main. Die Instanz ist innerhalb weniger Stunden einsatzbereit, Updates werden zeitnah nach Release eingespielt, und der gesamte Betrieb ist durch redundante Systeme und professionelles Monitoring abgesichert. Da es sich um eine dedizierte Instanz handelt, haben unsere Kunden die volle Kontrolle über Konfiguration, Datenretention und Zugangsmanagement – ohne die operativen Kosten eines Eigenbetriebs.

Vergleich: SaaS vs. Self-Hosted vs. Managed

Kriterium Sentry SaaS (EU) Self-Hosted Managed Hosting (DE)
Datenresidenz Deutschland Teilweise Ja Ja
Kein US-Subprozessor Nein Ja Ja
Kein CLOUD-Act-Risiko Nein Ja Ja
AV-Vertrag mit DE-Unternehmen Nein Eigenverantwortung Ja
Ops-Aufwand für Ihr Team Keiner Hoch Keiner
Update-Management Automatisch Manuell Gemanagt
Volle Kontrolle über Instanz Nein Ja Ja
Unabhängigkeit vom DPF Nein Ja Ja

Fazit: DSGVO-Konformität ist Chefsache

Sentry ist ein exzellentes Tool – daran besteht kein Zweifel. Aber die Frage, wie und wo es betrieben wird, ist keine rein technische Entscheidung. Sie hat direkte Auswirkungen auf die Compliance-Postur eines Unternehmens. Die EU-Region von Sentry ist ein Schritt in die richtige Richtung, löst aber nicht alle Probleme: User-Account-Daten in den USA, US-Subprozessoren, kein EU-Rechtssubjekt und die latente Unsicherheit des Data Privacy Frameworks bleiben als Restrisiken bestehen.

Für Unternehmen, die DSGVO-Konformität nicht als Checkbox, sondern als tatsächliche Anforderung verstehen, führt der Weg über Self-Hosted oder Managed Hosting. Und für alle, die sich auf ihr Produkt statt auf Infrastruktur-Ops konzentrieren wollen, ist Managed Sentry Hosting der pragmatischste Weg zu einer sauberen Compliance-Architektur.

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